Ingolstadt weist gegenüber umliegenden Landkreisen und anderen bayerischen Großstädten seit der Jahrtausendwende konstant höhere Geburtenzahlen auf. Eine Analyse des Sachgebiets Statistik stellt fest, dass die Stadt 2024 zusammen mit München an der Spitze lag und im Vergleich zu anderen Regionen einen vergleichsweise geringen Rückgang der Geburtenzahlen verzeichnete.
Geburtenzahlen und Fertilität
Im Jahr 2024 betrug die Geburtenrate in Ingolstadt 10,3 Geburten pro 1.000 Einwohner. Damit lag die Stadt über den Werten aller bayerischen Regierungsbezirke und auch über denen einzelner Bundesländer. Während die Geburtenrate in vielen Regionen sank, verzeichnete Ingolstadt mit einem Rückgang von 6,1 Prozent einen der geringsten Einbußen.
Die zusammengefasste Geburtenziffer, TFR genannt, lag 2024 in der Region zwischen 1,45 und 1,56. Damit befindet sich Ingolstadt häufig im Spitzenbereich im bundesweiten Vergleich. Europaweit sinkt die Geburtenrate seit 2013, doch Ingolstadt erreichte in den Jahren 2018 und 2021 kurzzeitig Werte über dem europäischen Durchschnitt. Im Zehnjahresvergleich nahm die TFR in Ingolstadt nur um 3,2 Prozent ab, während andere Großstädte teils zweistellige Rückgänge verzeichneten.
Im Länder- und Städtevergleich ordnete sich Ingolstadt 2023 in eine ähnliche Kategorie ein wie Kroatien, Belgien oder Nordmazedonien. Damit lag die Stadt merklich über dem deutschen Durchschnitt und leicht über dem europäischen Mittel. Zur Stabilität der Bevölkerung wäre eine TFR von 2,1 erforderlich.
Alter der Mütter und regionale Einordnung
Das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt stieg in den vergangenen Jahren auch in Ingolstadt. 2024 lag es bei 32,1 Jahren und damit nahe dem bayerischen und deutschen Mittel. Im Vergleich zu anderen Großstädten liegen die Mütter in Ingolstadt jünger als in München, wo das Durchschnittsalter bei 33,5 Jahren liegt, und ähnlicher als in Augsburg und Würzburg.
Auf europäischer Ebene befindet sich Ingolstadt mit einem durchschnittlichen Mütteralter von 32,1 Jahren im oberen Drittel, während Länder wie Irland und Spanien zu den Spitzenreitern mit höheren Alterswerten zählen.
Erklärungsansätze für die Entwicklung
Die Studie nennt mehrere Faktoren, die die besondere Geburtenentwicklung in Ingolstadt erklären können. Der Anteil an Frauen im gebärfähigen Alter ist in der Stadt stabiler und vergleichsweise hoch. Darüber hinaus verbindet Ingolstadt städtisches Leben mit ländlichen Strukturen, was laut Analyse die Fertilität erhöhen und das Mütteralter senken kann.
Migrationsbewegungen spielten ebenfalls eine Rolle. Nach der Wiedervereinigung und durch Zuzüge in den 2010er Jahren wuchs die Stadt überdurchschnittlich. Viele junge Menschen kamen zum Studieren oder Arbeiten und blieben, um Familien zu gründen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen trugen dazu bei, dass Ingolstadt für junge Familien attraktiv wurde.
Die Analyse betont zugleich, dass die demografische Dynamik kein Zufall sei, sondern Ergebnis einer Kombination aus Bevölkerungsstruktur, Migration, Arbeitsmarktlage und Lebensqualität. Gleichwohl steht die Stadt nach wie vor vor Herausforderungen.
Der vollständige Bericht zur Geburtenentwicklung, Fertilität und zum Mütteralter ist auf der Homepage der Stadt Ingolstadt verfügbar.
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